Friedensprozesse sind langfristig angelegt. An ihrer Gestaltung wirken alle diejenigen Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen in einer Gesellschaft mit, die ein Interesse an dauerhafter und nachhaltiger Konfliktbearbeitung haben.
Friedensprozesse beginnen mit der Artikulation von lange vernachlässigten Bedürfnissen von Minderheiten – gelegentlich auch von Mehrheiten. Sie können den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen zum Ziel haben oder die Entwicklung einer öffentlichen Streitkultur. Oft ist es notwendig, Foren des Dialogs und der Begegnung zwischen einstmals (oder noch?) verfeindeten Gruppen zu schaffen, am Abbau von Stereotypen zu arbeiten, Gelegenheit zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen zu bieten, Trauerprozesse zu unterstützen, geschehenes Unrecht und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren oder Warnsysteme einzurichten, die die Sicherheit betroffener Bevölkerungen gewährleisten oder zumindest erhöhen.
Projekten und Organisationen, die in diesen Bereichen tätig sind, biete ich Beratung an. Dies kann in Form eines Evaluierungsberichts, von Einzelgesprächen oder von Workshops geschehen. Im Tschad beriet ich im Winter 2002/2003 in Zusammenarbeit mit einem tschadischen Kollegen Organisationen, die im Konflikt zwischen Ackerbauern und Viehhaltern vermittelnd tätig werden. In vielen Gegenden am Übergang zwischen der afrikanischen Sahelzone, die durch nomadische Viehhaltung geprägt ist, und der sudanesischen Ackerbauregion kommt es alljährlich zu Konflikten: Viehherden werden durch Trockenheit und Weidemangel nach Süden gedrängt, wo Bauern gerade ihre Felder eingesät oder sie noch nicht vollständig abgeerntet haben. Bevölkerungsdruck, ökologische Veränderungen, Auswirkungen von Entwicklungsprogrammen und politische Spannungen sorgen für eine Verschärfung der Gegensätze. Einheimische Organisationen haben gezeigt, dass vielfach Blutvergießen und Zerstörung vermieden werden können, wenn Beteiligte zur Zusammenarbeit bewegt werden können.